Jungborngelände

Jungborngelände

Auf einen Blick

Adresse:

Zwischen Stapelburg und Bad Harzburg

Zugang:

frei

Kontakt:

Förderverein Jungborn e.V.; verein@jungborn-harz.eu

Das historische Jungborngelände liegt im Eckertal bei Stapelburg, unmittelbar am heutigen Grünen Band Sachsen-Anhalt. Der Ort verbindet Natur-, Kultur- und Zeitgeschichte: Ende des 19. Jahrhunderts entstand hier eine der bedeutendsten Naturheilstätten Deutschlands; später lag das Gelände im Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze und wurde nahezu vollständig zerstört. Heute wird die Geschichte des Jungborns hier wieder sichtbar gemacht.

Naturheilanstalt und Lebensreform

Gegründet wurde der Jungborn 1896 von dem Naturheilkundler Adolf Just. Unter dem Leitgedanken „Kehrt zur Natur zurück!“ entwickelte sich die Anlage zu einem bekannten Zentrum der Lebensreformbewegung. Heilung und Erholung sollten durch eine einfache, naturnahe Lebensweise gefördert werden: Licht, Luft, Wasser, Erde, Bewegung, vegetarische Ernährung und der Aufenthalt in der Landschaft spielten dabei eine zentrale Rolle.

Auf dem weitläufigen Gelände entstanden Parks, Lichtlufthäuschen, Lufthütten, Speisesäle sowie Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude. Der Jungborn zog Gäste aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen an und wurde überregional bekannt. Auch der Schriftsteller Franz Kafka hielt sich 1912 für zwei Wochen hier auf.

Wandel im 20. Jahrhundert

Während des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Nutzung des Ortes. Ab 1944 wurde das Gelände als Lazarett genutzt, nach Kriegsende diente es zeitweise als Lungenheilstätte. Mit der deutschen Teilung befand sich das Jungborngelände unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Die Lage im Eckertal, direkt an der Ecker, machte das Gelände aus Sicht der DDR-Grenzsicherung zu einem Sicherheitsrisiko.

1953 wurde die Heilstätte geschlossen. Nach dem weiteren Ausbau der Grenzanlagen durfte das Areal ab 1962 nicht mehr betreten werden. Die Gebäude verfielen und wurden 1964 im Zuge der Grenzsicherung endgültig abgerissen. Damit verschwand eine ehemals bedeutende Kuranlage fast vollständig aus der Landschaft.

Wiederentdeckung am Grünen Band

Nach der Öffnung der Grenze 1989 wurde das frühere Sperrgebiet wieder zugänglich. Am Jungborngelände begann damit auch die Wiederentdeckung eines lange vergessenen Ortes. Heute liegt das Areal direkt am Grünen Band und steht beispielhaft für die vielschichtige Geschichte dieser Landschaft: als Ort der Naturheilkunde, als zerstörter Grenzraum und als wiedergewonnener Erinnerungs- und Begegnungsort.

Der Förderverein Jungborn Harz e. V. engagiert sich für die Bewahrung und Vermittlung der Geschichte. Auf dem Gelände erinnern Informationstafeln und rekonstruierte Lichtlufthäuschen an die frühere Naturheilanstalt. Das originalgetreu wiedererrichtete Lichtlufthäuschen „Ruth“, in dem Franz Kafka während seines Aufenthalts wohnte, macht einen Teil der historischen Anlage anschaulich erfahrbar.

Heutige Nutzung

Heute ist das Jungborngelände ein Ort der Erinnerung, der Bildung und der Naturerfahrung. Besucherinnen und Besucher können sich über die Geschichte der Kuranstalt, die Lebensreformbewegung und die Entwicklung des Geländes während der deutschen Teilung informieren. Der Förderverein bietet Führungen an und in Schäferwagen kann auch direkt auf dem Jungborngelände übernachtet werden.

In der Nähe des Grenzdenkmals in Stapelburg befindet sich ein Info-Kiosk zum Jungborn, in dem Fotos, Dokumente und ein Modell des Jungborngeländes im Maßstab 1:100 ausgestellt ist.

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