Grenzdenkmal Stapelburg

Auf einen Blick
Adresse:
Mühlentor 8, 38871 Stapelburg
Zugang:
frei auf dem Gelände, in den Bunker auf Anfrage
Eintritt:
konstenfrei, um Spende wird gebeten
Ansprechperson:
Heimatverein Stapelburg: kontakt@heimatverein-stapelburg.de
Die Grenze bei Stapelburg
Das Grenzdenkmal Stapelburg liegt am westlichen Ortsausgang von Stapelburg, dort, wo die frühere Bundesstraße 6 beziehungsweise Reichsstraße 6 die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen erreicht und wo bis 1989 die innerdeutsche Grenze verlief. Von den Grenzanlagen sind hier ein Stumpf eines BT 11-Beobachtungsturms mit angeschlossenem Bunker und ein Teil der Schmucksteinmauer erhalten geblieben. Heute ist der Ort ein wichtiger Erinnerungs- und Informationspunkt am Grünen Band und zugleich Ausgangspunkt für Erkundungen im Eckertal, zum Jungborngelände und auf dem Harzer Grenzweg.
Stapelburg im Grenzraum
Stapelburg lag über vier Jahrzehnte unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Die Ecker bildete hier abschnittsweise die Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik. Für den Ort bedeutete diese Lage tiefgreifende Einschränkungen: Teile des westlichen Ortsbereichs lagen in der Schutzzone, grenznahe Gebäude wurden abgerissen, Wege gekappt und der Alltag der Menschen durch Kontrollen und Sperranlagen geprägt.
Besonders einschneidend war der Ausbau der Grenzsicherung. Bereits 1952 wurde zwischen der Muna-Siedlung und der Ecker ein erster Grenzzaun errichtet. 1973 folgte ein zweiter Zaun, der als Grenzsignalzaun mit Fernmeldedrähten und Überstiegssicherung ausgestattet war. Damit gerieten Bewohnerinnen und Bewohner der Muna-Siedlung sowie einzelne Häuser an der damaligen F 6 in eine besondere Lage: Sie waren von Grenzanlagen umgeben und konnten ihren Wohnbereich nur über eine kontrollierte Passierstelle verlassen.
Die Schmucksteinmauer am Grenzdenkmal Stapelburg
Grenzöffnung am 11. November 1989
Eine besondere Bedeutung besitzt der Ort durch die Grenzöffnung zwischen Stapelburg und Eckertal am 11. November 1989. Nur zwei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer wurde hier die Verbindung zwischen Ost und West wiederhergestellt. Damit war Stapelburg der erste Ort, an dem sich außerhalb der Grenzübergänge, die innerdeutsche Grenze öffnete. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten, dass zunächst noch auf Anweisungen aus Berlin gewartet wurde, bevor am Nachmittag ein provisorischer Übergang entstand. Teile der Grenzanlagen wurden von Stapelburgern entfernt, ein Graben zugeschoben und Bohlen über die Ecker gelegt. So entstand nach Jahrzehnten der Trennung wieder eine Verbindung zwischen Stapelburg und Eckertal.
Das heutige Grenzdenkmal erinnert an diesen Moment der Öffnung und an die Menschen, die die Teilung des Ortes und der Region über Jahrzehnte erlebt hatten. Es macht zugleich deutlich, wie nah politische Geschichte hier an den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner heranreichte.
Matthias Behne | Lautwieleise
Peter Röhling und Norbert Heindorf aus Stapelburg überqueren am 11.11.1989 die Grenze
"Der 11.11.1989 [Tag der Grenzöffnung in Stapelburg] wird mir immer als ein ganz besonderer Tag in Erinnerung bleiben, der mich und meine Familie vom Ende der Welt in die Mitte Europas katapultierte."
Peter Röhling
Am 11.11.89 löste Röhling die erste Platte der Sichtschutzwand und schuf damit einen Übergang in den Westen.
Erinnern und Vermitteln
Zum Grenzdenkmal gehört eine ehemalige Führungsstelle der DDR-Grenztruppen in Form eines Fertigteilbunkers FB-3. Diese dienten der Überwachung und Koordinierung des Grenzdienstes. Heute befindet sich in dem ehemaligen Bunker eine kleine Ausstellung.
Der Heimat- und Förderverein Stapelburg e. V. engagiert sich vor Ort für die Aufarbeitung und Vermittlung der Grenzgeschichte. Mit Informationstafeln, Führungen und der Pflege historischer Spuren trägt der Verein dazu bei, die Erinnerung an das Grenzregime, den Mauerfall und die besonderen Ereignisse in Stapelburg lebendig zu halten. Führungen und eine Besichtigung der Führungsstelle sind nach Anfrage möglich.
Matthias Behne | Lautwieleise
Teile der Ausstellung am Grenzdenkmal Stapelburg
Matthias Behne | Lautwieleise
Ort am Grünen Band
Das Grenzdenkmal Stapelburg steht heute exemplarisch für den Wandel eines Grenzortes: von einem abgeschotteten Bereich der innerdeutschen Grenze zu einem Ort der Erinnerung, Begegnung und historischen Bildung.
Vereinsgründer
Matthias Behne | Lautwieleise
Sven Müller
Vorsitzender des Heimatvereins
Ein Projekt von diesem Akteur
Heimat- und Förderverein Stapelburg e.V.
Der Verein beschäftigt sich mit der Lokal- und Ortsgeschichte Stapelburgs. Eine besonderer Fokus liegt auch auf der Rolle des Ortes zu Zeiten der deutschen Teilung und der Grenzöffnung im November 1989.
Ansprechperson
Sven Müller Vereinsvorsitzender
Matthias Behne | Lautwieleise
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Gut zu wissen
Was ist das Grüne Band?
Das Grüne Band ist ein europaweites Naturschutzprojekt im Gebiet des ehemaligen "Eisernen Vorhangs", der während des Kalten Krieges Europa in zwei politische Blöcke trennte. Das Grüne Band hat eine Gesamtlänge von über 12.500 km und reicht dabei vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer an der Grenze zur Türkei. In Deutschland wurde das Grüne Band nach dem Mauerfall 1989 als gesamtdeutsches Naturschutzprojekt von Naturschützer:innen aus Ost- und Westdeutschland installiert. Der Teil des Grünen Bandes in Sachsen-Anhalt ist 343 km lang und seit 2019 unter dem Motto "Vom Todesstreifen zur Lebenslinie" als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Aufarbeitung der Geschichte des Kalten Krieges und der DDR und Naturschutz werden als gleichrangige Aufgaben verstanden.
Was war die deutsch-deutsche Grenze?
Durch die Beschlüsse der Konferenz von Potsdam wurde Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Bereits früh wurde der Verkehr über die Zonengrenzen reglementiert und Grenzpolizeien aufgestellt. Aus den drei Westzonen entstand 1949 die Bundesrepublik Deutschland, aus der Sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik. Beginnend mit einem Beschluss des Ministerrates der DDR vom 26. Mai 1952 wurde die Grenze zur Bundesrepublik nach und nach ausgebaut und militärisch bewacht. Spätestens mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die DDR-Grenze zu einem nahezu unüberwindlichen Hindernis. Den zeitlichen Höhepunkt der Grenzsicherung bildeten die 70er und frühen 80er Jahre. Zu dieser Zeit war die Grenze ein hochkomplexes Sicherheitssystem aus Streckmetall- und Signalzäunen, teilweise Sichtschutzmauern, Sperrstreifen, Wachtürmen, Hundelaufanlagen, Bodenminen und Selbstschussanlagen. Die Grenze diente dem Zweck, Menschen am Verlassen der DDR mit Gewalt zu hindern.